Gewessler sagte, dass das bulgarische Netz „nichts mit dem österreichischen Netz zu tun“ habe. Zur „Jamal“-Pipeline nach Polen, die auch mit Österreich verbunden ist, sagte sie, dass schon in den vergangenen Tagen „wenig Gas“ über sie gekommen sei. Die OMV sei derzeit „im Austausch“, um die Gaszahlungen an Russland „sanktionskonform über Euro abzuwickeln“, sagte sie.

Milliardenreserve im Budget

Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) verwies im Pressefoyer auf die finanziellen Rahmenbedingungen. Als strategische Gasreserve seien 1,6 Mrd. Euro im Budget vorgesehen. Zusätzlich verfüge man noch über einen Budgetspielraum von fünf Mrd. Euro für die Energieeinspeicherung für den Winter. „Keine Wohnung darf im Winter kalt sein“, so Nehammer. Auch die Sicherung des Industriestandorts stehe im Fokus. Eine Auflösung der bis zum Jahr 2040 geschlossenen Lieferverträge mit Russland schloss Gewessler unterdessen nicht aus. Zugleich plädierte sie dafür, so schnell wie möglich die Gaslieferungen nach Österreich zu diversifizieren. Österreich zählt zu jenen EU-Staaten, die am stärksten von russischen Gaslieferungen abhängig sind. „Diese Abhängigkeit können wir nicht von heute auf morgen beenden“, so Gewessler.

Studie sieht Abhängigkeit bis 2027

Österreich könnte ab 2027 ohne russisches Gas auskommen. Dazu müssten aber der Gasverbrauch bis dahin um ein Viertel reduziert, alternative Importe vorübergehend verdreifacht und die Produktion von Biogas und Grünem Wasserstoff stark ausgebaut werden, zeigt eine Studie der Österreichischen Energieagentur (AEA) im Auftrag des Umweltministeriums. Die Eigenproduktion von Erdgas müsste unverändert bleiben. Bis 2030 geht die Energieagentur sogar von einem Rückgang des Gasverbrauchs um ein Drittel aus.

„Kraftanstrengung“ nötig

Franz Angerer, Geschäftsführer der AEA, wies darauf hin, dass die über Jahrzehnte gewachsene Abhängigkeit von Russland weder unmittelbar noch kurzfristig geändert werden könne. Durch „eine nationale und internationale Kraftanstrengung“ wäre es aber bis 2027 möglich. Zugleich sagte er, dass die Vervielfachung der Erdgaspreise in vielen Branchen zu Einbrüchen beim Gasverbrauch führen werde. „Eine präzise Berechnung der Verbrauchsminderung ist aufgrund dieser noch nie da gewesenen Preisexplosion nicht seriös“, schränkt er ein. Die Energieagentur geht davon aus, dass die Energiepreise mittelfristig hoch bleiben und es damit auch weiter Anreize gibt, den Gasverbrauch zu senken und auf erneuerbare Energieträger umzusteigen.